Gottesdienste aktuell

Langsam sinken die Inzidenzzahlen im Ostalbkreis, bevorzugt wollen wir jedoch die Gottesdienste im Freien feiern. Dazu bringen Sie bitte Ihre Sitzgelegenheiten mit. Sollte die Inzidenz unter 200 sinken, werden wir bei Regenwetter in die Kirche wechseln. Nach wie vor müssen zahlreiche Hygienemaßnahmen einhalten werden.
Aktuelle Informationen / Neuerungen zu den Inzidenzzahlen und Gottesdienstrichtlinien entnehmen Sie bitte den Tageszeitungen.
!!! Am Sonntag den 09.05.2021 findet in Täferrot noch kein Gottesdienst statt. !!!
Anstelle dessen liegt in der Afra Kirche eine Andacht in Papierform aus. Oder sie können sie hier nachfolgend lesen
oder als PDF-Datei herunterladen.

ANDACHT zum Sonntag "Rogate" ("Betet!") – 9.Mai 2021

Wochenspruch: "Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet." (Ps 66,20)

Liebe Gemeinde, 

„Für mich gibt es keine Chance mehr.“ So brach es einmal aus einem Gegenüber heraus. Physiker, Mitte 50.
„Dabei hatte es so gut begonnen, ich habe studiert, sogar promoviert. Darf man nicht ein Mal scheitern?
Unsere Ehe ist zerbrochen. Und dann bin ich krank geworden, und mein Arbeitsvertrag an der Uni wurde nicht verlängert.
Neue Arbeit, die ich leisten könnte, habe ich nicht gefunden. Bitter ist das. Ich verhungere nicht. Ich teile mir mein Geld ein. Ich wohne schäbig. Meine Nachbarn.. naja. Ich bin meistens allein. Ich kann nirgends hin. Weil mir das Geld fehlt. Und weil ich mich schäme und mich gar nicht mehr traue, unter die Leute zu gehen. Seit 15 Jahren lebe ich jetzt so. 
Den Gedanken, dass es sich nicht mehr ändern wird, verbiete ich mir. Er ist unerträglich. Und doch ist er wahr.“  

Liebe Gemeinde, 

wie lange braucht ein Gebet, bis es im Himmel ist?
Kann es sein, dass es unterwegs verhallt? Beten wir manchmal umsonst? Ist Beten umsonst? Verzweifelter letzte Weg und am Ende Selbsttäuschung? 
Auch wenn wir unser Anliegen, Wünsche, Sehnsüchte, Trauer und Hoffnung und Verzweiflung sogar laut rausschreien? Lehrt erst die Not beten und was dann, wenn die Not wirklich nicht mehr zu (er)tragen ist? 

Starke Worte aus der Bibel werden uns heute am Sonntag Rogate ans Herz gelegt. Zuversichtlich, gewiss, hoffnungsvoll sind sie. 

Wie oft wünschen wir uns solch eine Zusage und Überzeugung? 
Es sind Worte aus dem Buch Jesus Sirach, das zu den sogenannten Apokryphen, den Spätschriften des Alten Testaments gehört. Sie entstanden, nachdem die Hebräische Bibel bereits abgeschlossen war. In manchen Bibelausgaben stehen sie zwischen dem Alten und dem Neuen Testament.
Der Schriftgelehrte Jehoshua ben Sira – wie sein Name auf Hebräisch heißt – weiß vom Beten dieses zu sagen (Sirach 35, 16 – 22a): Er hilft dem Armen ohne Ansehen der Person und erhört das Gebet des Unterdrückten. Er verachtet das Flehen der Waisen nicht noch die Witwe, wenn sie ihre Klage erhebt. 
Laufen ihr nicht die Tränen die Wangen hinunter, und richtet sich ihr Schreien nicht gegen den, der die Tränen fließen lässt?  

Wie gut, dass Gott ohne Ansehen der Person uns zuhört und uns hört und unser Gebet erhört. 
Dieses Gebet, das nicht unbedingt mit einer Anrede beginnt und auch nicht mit Amen endet. 
Ein Gebet, das man vielmehr an den Tränen erkennt, die einfach nur noch über das Gesicht laufen. 
Das Gebet derer, denen ihr Recht genommen wurde. Derer, die unter schweren Bedingungen leben. Nicht mehr weiterwissen.
Wie dieser Physiker: „Ich würde so gerne leben. Mit anderen verbunden sein. Etwas geben können, nicht immer nur die nötigste Hilfe bekommen. Ich erlebe es nicht, dass jemand mich sieht, mich kennt. Meine Seele ist so müde. Und von Gott erwarte ich schon lange nichts mehr. Von den Menschen schon, aber das ist auch unrealistisch.“ 

Gott erhört solche Worte, lesen wir. Klipp und klar. Doch bis das Gebet bei ihm ist, vergeht gefühlsmäßig eine lange Zeit und der Mensch bleibt ohne Trost. Manchmal dauert es. 

Das hat auch die bittende Witwe erlebt. (Lukas 18,1-8, Schriftlesung): „Ich füge mich nicht! Sie haben mich erniedrigt und erwarten jetzt noch, dass ich demütig bin, zurückhaltend. Aber ich bin voller Zorn. Und der ist gesund. Wenn es sein muss, bin ich auch frech. Ich weiß, dass ich im Recht bin und dieser Richter will es mir nicht geben. Aber, ich lasse es mir nicht nehmen! Und wenn ich zehnmal dahin muss! Immer wieder bringe ich die Kraft auf. Ich lasse nicht nach. Ich will nur, was mir zusteht.“ 
Und der – ungerechte! - Richter gibt ihr schließlich Recht, nicht, weil er davon überzeugt wäre, sondern weil sie ihn regelrecht nervt!!! Ein Skandal. 
Aber Jesus gibt der bittenden Witwe recht und sagt. „So sollt ihr beten!“ So zornig, dass man auch heute noch erschrickt. 

Man kann vermuten, Jesus habe diese Zeilen von Jesus Sirach gekannt und sie uns mit der Geschichte von der hartnäckigen Witwe vor Augen gestellt. Als Vorbild, wie man beten soll.
21 Das Gebet eines Erniedrigten dringt durch die Wolken, … und es lässt nicht nach, bis der Höchste sich seiner annimmt.

„Von Gott erwarte ich schon lange nichts mehr. Von den Menschen schon, aber das ist auch unrealistisch.“ Sagt der Physiker. 

Und doch spricht er das alles vor mir aus. Aus tiefster Seele. Ist da nicht doch noch Hoffnung? 

Ich wünsche es ihm heute noch! Und hoffe, dass dieses „verpackte Gebet“ auch dort angekommen ist, wo es hingehört: in die Ohren und in das Herz unseres gnädigen und barmherzigen Gottes. 
Vielen ergeht es so. Der jungen Frau aus dem Osten. Opfer von Menschenhändlern. Nach Deutschland gelockt mit falschen Versprechungen. 
Oder dem Mädchen, das im eigenen Zuhause nicht sicher ist.  Der dem Tode entronnene Geflüchtete.
Menschen auf den Intensivstationen und in den Pflegeinrichtungen. Menschen in Indien, die um Sauerstoff betteln. 
LehrerInnen, die befürchten, dass die Bildungsspalte in unserer Gesellschaft noch tiefer wird.
Gaststättenbetreiber, die um ihre finanzielle Wirtschaftlichkeit kämpfen und jede kleine Öffnung als eine kleine Himmelstüre empfinden. 
Und, und, und… Viele andere. Ihr Aufschrei dringt zu Gott. Und es dauert immer noch, wie in einer Endlosschleife. 

Aber unser Beten soll auch nicht aufhören – Betet! Denn Jesus Sirach schreibt weiter:
Das Gebet lässt nicht nach (V 21). „Ich schreie zum Himmel. Ich dringe durch die Wolken. Ich habe Ausdauer. 
Ich gebe mich nicht zufrieden mit Unrecht. Ich lasse nicht nach, bis der Höchste sich meiner annimmt. Keiner darf ihnen ihr Leben rauben! 
Auch wenn sie verzweifelt verstummen, bringe ich ihr Anliegen in Gottes Ohr! Ich weiß: Gott hört. Gott weint und liebt. Gott ist zornig. 
Auf die, die solche Zustände verantworten. Ich bin die Kraft in den Menschen. Ich halte an ihrer Würde fest. Ich bewege sie hartnäckig, Hilfe zu suchen. Wer unter schweren Bedingungen lebt, braucht andere. Ich suche Unterstützer, suche ihr Herz. Ich suche für die Schreienden jemanden, der sie sieht. Und hilft. Sie sollen ein würdevoll leben.“

22a Gott wird den Gerechten Recht zusprechen und Gericht halten. Die, die ihnen das Recht genommen haben, werden nicht davonkommen. 
Welcher Balsam in den Seelen der Opfer. Es ist nicht in Ordnung, was ihnen widerfährt. 

Liebe Gemeinde,
beten wir (auch) mit ihnen? Sind wir (auch) Stimme für die Verstummten? Sind wir (immer noch) an Gottes Seite? 
Das wünsche ich uns allen – lasst uns gerade auch als betende Gemeinschaft, auch mit Abstand – dennoch zueinander stehen und vor Gott für einander einstehen. 
Amen.

Manchmal kommen uns auch beim vertrauten Vaterunser noch andere Gedanken dazwischen.

Vater unser. Du bist unser Vater, dir verdanken wir unser Leben. Dir sagen wir, worauf wir hoffen, wonach wir uns sehen, wovor wir uns fürchten.
Geheiligt werde dein Name. Wir hoffen darauf, dass deine Liebe die Welt verwandelt. Verwandle uns, damit wir deine Liebe zeigen.
Dein Reich komme. Wir sehnen uns danach, dass sich Gerechtigkeit und Frieden küssen. Schaffe deinem Frieden Raum, damit die Sanftmütigen das Erdreich besitzen.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Wir fürchten uns davor, dass Leid und Krankheit kein Ende haben. Heile die Kranken und behüte die Leidenden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Nicht nur uns, auch denen, die verzweifelt nach Hilfe rufen, die vor den Trümmern ihres Lebens stehen und die sich vor der Zukunft fürchten. Du bist die Quelle des Lebens, verbanne den Hunger.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Öffne unsere harten Herzen für die Vergebung. Öffne die Fäuste der Gewalttäter für die Sanftmut. Lenke unsere Füße auf den Weg des Friedens. Versöhne uns und alle Welt.
Führe uns nicht in Versuchung. Dein Wort ist das Leben. Du kannst unsere Herzen verschließen vor Neid, Gier und Hochmut. Halte uns ab von Hass und Gewalttätigkeit. Bewahre uns vor den falschen Wegen!
Erlöse uns von dem Bösen. Öffne unsere Augen, damit wir das Böse hinter seinen Verkleidungen erkennen. Lass uns dem Bösen widerstehen und befreie alle, die in der Gewalt des Bösen gefangen sind.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Du rufst uns beim Namen. Du siehst uns - wo wir auch sind, am Küchentisch, in der Kirchenbank, in unseren Kammern. Bei dir schweigen Angst und Schmerz. Auf dich hoffen wir heute und alle Tage. In Jesu Namen vertrauen wir uns dir an.
Amen.

Und der Frieden Gottes, welcher höher ist als all unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. 
Amen.